Wie viel Maske verträgt Wertschätzung?

Wer dieser Tage raus auf die Straße geht, mit der Straßenbahn fährt oder im Geschäft seine Besorgungen erledigt, ist mit einem neuen Bild konfrontiert. Ein Bild, das wir zumindest in Österreich (noch) nicht in diesem Ausmaß gewöhnt sind: Menschen, deren Gesichter großflächig von Masken bedeckt sind. Und für einem selbst mehr als ein ungewohntes Gefühl, so viel Stoff im Gesicht zu haben. Freiheit für unsere Gesichtsmuskeln und Lachfältchen sieht anders aus. Wir gehen uns nicht nur körperlich aus dem Weg, sondern wir vermeiden es auch, uns anzusehen. Was macht die Maske mit uns? Als WERTSCHÄTZERIN beobachte ich viel und dabei stelle ich mir die Frage: Geht Wertschätzung hinter der Maske verloren? Distanzieren wir uns mit Maske über das social distancing noch mehr hinaus?

Mein Fazit nach einer Woche im Masken-Modus

Wer die Maske selbst schon getragen hat weiß, dass Tragekomfort sich anders anspürt. Zumindest war das so bei meinem „ersten Mal“, als ich mit Maske ein Geschäft betrat. Gefühle von „Ok, so fühlen sich wahrscheinlich jene, die ein Geschäft oder eine Bank überfallen“ bis hin zu anfänglicher Atemnot und dem Verrutschen der Maske hoch in die Mitte meiner Augen, das mir den Blick auf meinen gut vorbereiteten Einkaufszettel enorm erschwerte. 

Mein Fazit bereits nach wenigen Minuten im Geschäft: „Mit Maske im Gesicht gustiere ich nicht so gern und daher versuche ich den Einkauf so schnell wie möglich zu erledigen.“ Dies dürften sich wohl auch die anderen KundInnen im Geschäft gedacht haben, da auch diese im Eiltempo durch die Gänge huschten – ohne die anderen Mit-KundInnen auch nur annähernd mit einem besonderen Blick zu betrauen. Kaum Blicke nach links und rechts – nur in die gefüllten Regale, hauptsächlich suchend nach dem gewünschten Produkt. Man hatte fast den Eindruck, das Virus könnte sich auch durch „Augenblicke“ übertragen.

Schau mir in die Augen, Kleines!

Das alles bringt uns zu einem nicht unwesentlich wichtigen „wertschätzenden“ Aspekt. Durch das Tragen der Maske muss man sich mehr anstrengen, WERTSCHÄTZUNG dem anderen zu zeigen in Form von einem Lächeln für ein Dankeschön oder anderen herzlichen Emotionen. Dazu müssen wir uns nun umso mehr anstrengen! Um den hinter der Maske versteckten Gesichtsausdruck ablesen zu können, braucht es ein wenig mehr Zeit, damit wir die Gefühlsregungen nun aus den Augen der anderen ablesen können. Und das ist für viele gar nicht so einfach. Beobachtet(e) man Menschen in Öffis, haben es bisher viele eher vermieden, dem anderen ins Gesicht zu schauen. Als WERTSCHÄTZERIN bin ich überzeugt, dass wir nun mehr gefordert sind, in einen ausgiebigeren „Augenkontakt“ zu treten und von den Augen der anderen ablesen lernen! Ich persönlich finde das eine sehr gute Wertschätzungs-Übung! 

Neue Kommunikationsmuster entstehen

Nicht nur, dass der Blick eingeschränkt ist, die Brillengläser auch anlaufen und die Emotionen vom Anderen nicht aufs Erste abgelesen werden können, es fällt uns auch die verbale Kommunikation mit Maske umso schwerer! Wenn man dann mit jemand ins Gespräch kommt – zumindest mit den VerkaufsmitarbeiterInnen hinter der Wursttheke, bleibt einem fast das Wort hinter der Maske stecken. Auch nicht sehr wertschätzend dem anderen gegenüber im Stil von „Hans-Moser`s-Nuscheln“ die Bestellung aufzugeben.

Endlich bei der Kassa angekommen – vor der Plexiglasscheibe – ertönen seitens der KassiermitarbeiterInnen „erleichterte“ Worte, wenn man andeutet, mit der Bankomatkarte zahlen zu wollen. Auch eine Erfahrung, die mich aufhorchen ließ. Ich stelle fest, mit dem Tragen des Mundschutzes etabliert sich definitiv ein neues Kommunikations-Muster.

Derzeit ein „must-have“

Apropos Muster: Ein neuer „Modetrend“ könnten vielleicht bald (oder sind sie es schon) die Muster unserer Nasen-Mundschutz-Stoffe sein? Viele stimmen bereits die Farbe der Maske auf das restliche Outfit ab. Findige Unternehmen produzieren bereits Masken mit ihrem Logo bzw. Werbespruch. 

Wenn wir noch länger nur mit Masken im Gesicht in die Öffentlichkeit raus dürfen, wird das stylische Design uns wahrscheinlich helfen, sie „gerne“ zu tragen. So gesehen als „schmuckes Designerstück“. Bleibt nur abzuwarten, wie euphorisch wir dann im Sommer sind, wenn wir mit noch mehr Stoff ins Freie bzw. ins überhitzte Geschäft gehen. Am Ende des Sommers haben wir dann womöglich eine weiße untere Gesichtshälfte – so wie Plüsch-Teddybären.

Vielleicht aber gewöhnen wir uns alle bald daran und kommen uns quasi nackt vor, wenn wir „OBEN OHNE“ vor die Haustüre gehen. Es bleibt abzuwarten und noch viel WICHTIGER: weiterhin am WERTSCHÄTZEN dran bleiben UND bleiben wir in Augenkontakt!

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