Wie viel Leadership braucht Homeoffice?

Homeoffice bekommt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung und einen neuen
Stellenwert. Bisher von vielen Unternehmern und Geschäftsführern gefürchtet und oft
vehement verweigert, obwohl seitens der Belegschaft oft gefordert, stellt sich in Zeiten
einer Krise heraus, dass Homeoffice doch nicht so schlimm ist, wie befürchtet.
Wahrscheinlich wird dies nun sogar zur normalsten Sache der Welt werden – passend auch
zur Digitalisierung. Und der Trend wird noch weiter in diese Richtung gehen.

Was hat Homeoffice mit Wertschätzung zu tun?

Sehr viel. Aus zahlreichen Studien und Mitarbeiterbefragungen geht klar hervor, dass Mitarbeiter die Möglichkeit von Homeoffice als Wertschätzungs-Maßnahme einstufen – zumindest in jenen Bereichen, wo es derzeit auch funktioniert. So manche Führungskraft definiert Homeoffice als ein Zwischending von Urlaub – Krankenstand und Rufbereitschaft.
Sie befürchten, dass ihre Teams auseinander brechen werden und sie daheim ihre Mitarbeiter zu wenig unter Kontrolle haben. Dabei reicht die Vorstellungskraft mancher Führungskraft hier von der Befüllung der Waschmaschine, der Erledigung vom Abwasch bis hin zum Kindersitting.

Kontrolle ist gut - Vertrauen ist dennoch besser!

Wer glaubt, seine Mitarbeiter ständig kontrollieren zu müssen, der hat entweder das falsche Team oder es fehlt an Vertrauen, das wiederum der Wertschätzung zuzuordnen ist.
Eine Kontroll-E-Mail mit einer Lesebestätigung täglich um 8 Uhr wird das Vertrauen und die Wertschätzung nicht fördern. Ganz im Gegenteil, es wird Demotivation der Mitarbeiter führen. Das heißt aber nicht, dass Führungskräfte während der vermehrten Homeoffice-Zeit ihre Mitarbeiter ohne Kontakt daheim verkümmern lassen dürfen!
Gerade jetzt müssen Führungskräfte ihrer Rolle mehr denn je nachkommen. Ihre Teams brauchen gerade jetzt einen Leader, einen Kapitän, der sie führt!
Der Sportartikelhersteller VAUDE lebt dieses Vertrauen bereits seit Jahren erfolgreich vor.
Die Firmenkultur orientiert sich u.a. an der „Arbeitszeit auf Vertrauen“, das auch so in ihrem Leitbild schriftlich verankert wurde. Mitarbeiter können dort tageweise – je nach Abteilung – von zu Hause aus arbeiten.
Aus eigener Homeoffice-Erfahrung – früher im Angestelltenverhältnis – weiß ich, dass Menschen im Homeoffice noch effizienter die Arbeit in noch kürzerer Zeit leisten.
Einerseits, weil sie daheim oft ungestörter arbeiten können und andererseits will man dem Chef beweisen, auch daheim effizient zu sein! Das geht oft so weit, dass sie laufend das Gefühl haben, ein „Lebenszeichen“ via E-Mail oder diversen Telefonaten von Zuhause zu geben, nur um zu bestätigen, dass sie arbeiten.

Wie effizient ist Homeoffice?

Ich würde sagen, das ist eine Typfrage eines jeden Mitarbeiters. Jemand der innerlich gekündigt hat und nicht motiviert ist, vielleicht weil Homeoffice verweigert wurde, ist zwar im Büro physisch und sichtbar anwesend, aber möglicherweise unproduktiver, als motiviert daheim beim Homeoffice?
Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass auch die Stimmungen von Kollegen auf andere ansteckend wirken – zum Beispiel wenn ein „nicht-motivierter“ Mitarbeiter in der Kaffeeküche auf andere trifft.

Die Krise bietet Chancen zum Umdenken und Ausprobieren

Wir bekommen nun durch „COVID-19“eine „Testphase“ fürs Homeoffice zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter können ausprobieren, ob das dem entspricht, was sie dachten.
Führungskräfte bekommen die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter live im Homeoffice zu erleben, Vertrauen auszuleben. Im besten Fall ist dies letztendlich sogar eine Stärkung für das gesamte Team! Schön dabei zu beachten ist, wie die Leute kreativ werden für einen sozialeren Umgang – aber eben auf körperlicher Distanz, nicht emotionaler!
So wird der tägliche Kollegen-Austausch in der Kaffeeküche nun ganz einfach als fixer Termin eingeplant via Skype oder Zoom-Session. Täglich um 9 Uhr treffen sich „HOMEOFFICER“ nun virtuell mit dem Kaffee aus der eigenen Kaffeemaschine vorm Computer und besprechen alles, was einem gerade am Herzen liegt – Privates genau so wie Berufliches – wie halt bisher meist in der Kaffeeküche. Sozusagen der Flurfunk vorm Bildschirm.

4 WERTSCHÄTZUNGS-TIPPS für Führungskräfte im Homeoffice-Zeitalter

1. Seien Sie in dieser Zeit ein Leader! Ein Kapitän, der sein Schiff durch eine stürmische Zeit navigiert! Gerade jetzt braucht Ihr Team einen Leader, einen Kapitän!
2. Bleiben Sie in enger Verbindung mit Ihrem Team! Jetzt ist vermehrter Kontakt mit Ihren Mitarbeitern notwendig! Aber nicht zu Kontrollzwecken, sondern um quasi die „starke Schulter“ für Ihr Team zu sein! In Krisenzeiten brauchen wir Richtlinien, Hilfestellungen und einen, der vorangeht und dem wir vertrauen! Das heißt: verbinden Sie sich ruhig zweimal am Tag mit Ihrem Team, checken Sie die Aufgaben für den Tag, für die Woche etc.
3. Haben Sie ein offenes Ohr – vielleicht jetzt mehr denn je. Hören Sie Ihren Mitarbeitern ausgiebig zu – auch für private Sorgen.
4. Geben Sie Ihrem Team das Gefühl von Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit!

Noch ein Blick in die Zukunft

Homeoffice wird wahrscheinlich weiterhin an Stellenwert gewinnen. Auch werden sich die meisten Mitarbeiter wieder auf einen sozialen Austausch im Unternehmen freuen, um nicht die ganze Arbeitszeit isoliert daheim vor dem Bildschirm verbringen zu müssen.
Führungskräfte mit bisher kritischer Einstellung, können sich jetzt in dieser Testphase ein besseres Bild machen. Vielleicht sogar, dass Homeoffice eine förderbare Seite der Digitalisierung ist. Dazu hat die Fachhochschule Krems in einer neuen Studie berechnet, dass künftig mehr als 30 – 40 % aus dem Homeoffice erledigt werden wird.
Was jetzt schon großteils sichtbar wird und uns auch nach der Bewältigung dieser Krise beschäftigen muss: WIR ALLE müssen mehr denn je unseren Fokus auf Vertrauen – Sicherheit – Orientierung und Wertschätzung lenken.

Share this Post

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email
Share on xing
Share on whatsapp
Scroll to Top